Forschung

Prof. Dr. Maren Bernau

Was sind Deine Forschungsschwerpunkte? 

Ich habe Veterinärmedizin studiert und knapp zehn Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. als Tierärztin im Klein- und Großtierbereich inklusive der Bestandsbetreuung gearbeitet. Während dieser Zeit habe ich an der Ludwig-Maximilians Universität München promoviert, praktische Erfahrungen als Tierärztin gesammelt, wissenschaftliche Forschungsvorhaben betreut und durchgeführt sowie meine Habilitation abgeschlossen. Meine Forschungsschwerpunkte wurden bereits durch meine Dissertation in der Tierzucht gesetzt. Die Frage, ob man mit bildgebenden Verfahren die Schlachtleistungsprüfung beim Schwein am Tier als Eigenleistungsprüfung durchführen kann, hat dabei mein Interesse für bildgebende Verfahren geweckt („Untersuchungen zu einer möglichen Vorverlegung der Schlachtleistungsprüfung beim Schwein mittels Magnetresonanztomographie und Dualenergie-Röntgenabsorptiometrie in vivo“; DOI: 10.5282/edoc.13555). Danach folgten weitere Forschungsprojekte, in denen bildgebende Verfahren im Fokus standen, sei es der Ultraschall, die Dual-Energie-Röntgenabsorptiometrie, die Magnetresonanztomographie, die Thermographie oder digitale Bilddaten. Hierbei hat mich immer besonders interessiert, wie bildgebende Verfahren für tierzüchterische oder Fragen der Tiergesundheit eingesetzt werden können.

Was machst Du bei PowerAImage?

Meine Aufgaben bei PowerAImage ist die Übernahme der Teilprojektleitung des Praxisprojektteils. Wir (Lara Handel und ich) gehen den Fragen nach, ob es zum einen möglich ist, im Fall von Ziegen Bilddaten für Fragestellungen der Tierzucht oder Tiergesundheit zu nutzen, und zum anderen, wie wir diese Bilder aufbereitet sein müssen, damit eine KI diese verwerten kann. Ich bringe meine Expertise im Bereich bildgebender Verfahren und praktischer Umsetzung am Tier mit ein und freue mich über die vielen diesziplinübergreifenden spannenden Erkenntnisse.

Wie sieht Dein Forschungsalltag aus?

An einer HAW steht die Lehre im Vordergrund, aber es bleibt immer auch ausreichend Zeit für die Bearbeitung von Forschungsprojekten. Darunter fallen insbesondere die praktische Unterstützung der Forschenden in ihren Tätigkeiten durch Besprechungen, Planung der Datenerhebung und Vorbereitung der nächsten Projektschritte, aber auch die aktive Literaturrecherche, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Dadurch kommen dann wieder neue Ideen und Fragen auf. Es wird also nie langweilig.

Was ist Dir bei Deiner Forschung besonders wichtig und mit welchen Methoden arbeitest Du?

Wichtig ist mir, dass die Forschung die Praxis unterstützt bzw. einmal in der Praxis Anwendung finden kann. Dabei liegt es mir am Herzen, das was ich mache, so verständlich wie möglich zu erklären, so dass hoffentlich möglichst viele Interessierte verstehem, um was es geht und worin genau der konkrete Beitrag zum tierzüchterischen Handeln oder zu Fragen der Tiergesundheit besteht. Ich arbeite dabei mit verschiedenen Datenformen. Dies sind zum Beispiel Maße oder Ergebnisse aus der Leistungsprüfung (Leistungserfassung von Nutztieren), verschiedene Gesundheitsparameter (oft in Form von Score-Werten) und die verschiedenen bildgebenden Daten (Fotos, Videos, magnetresonanztomographische Bilder, Ultraschallbilder oder Thermographiebilder). Dazu zählt dann oft die manuelle Bildanalyse, d.h. das Vermessen der relevanten Körperbereiche oder -regionen, was sehr zeitaufwendig ist.

Was zeichnet transdisziplinäre Forschung für Dich aus?

Es ist Forschung für die Praxis, die sich nicht an Fachgrenzen hält, d.h. hier stellt die Praxis die Fragestellung, die von der Wissenschaft mit ihren vielen unterschiedlichen Disziplinen bearbeitet wird. Dabei bringt jede Disziplin ihre eigene Expertise ein. Das ist spannend und zugleich herausfordernd — das zeichnet diese gemeinsame Arbeit besonders aus. Transdisziplinäre Forschung bietet eine große Chance Neues zu lernen und Einblicke in völlig andere Forschungswelten zu bekommen.

Welchen wichtigen Beitrag leistet PowerAImage in Deinen Augen? 

Wenn es gelingt, an Bilddaten relevante Daten für die Tierzucht oder die Tiergesundheit vollautomatisch über eine KI zu analysieren, dann wäre das ein großartiger Schritt für die Digitalisierung im Nutztierbereich, eine Vereinfachung der züchterischen Datenerfassung und auch eine Verbesserung der Tiergesundheit, da es zu schnellerem Erkennen von Krankheitszuständen führen würde.