Schicksal Bildung

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Wie stark die soziale Herkunft die Bildung und damit Biografien prägt - Vortrag im Studium generale

NÜRTINGEN (hfwu). 80 Prozent der Kinder mit mittelguten Noten in der Grundschule gehen aufs Gymnasium – wenn ihre Eltern Akademiker sind. Bei Eltern ohne Hochschulabschluss sind es nur 35 Prozent. Anhand von Zahlen wie diesen zeigte ein Vortrag im Rahmen des Studium generale an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU), wie stark in Deutschland die soziale Herkunft die Bildung und damit die weitere Biografie eines Kindes prägt.

„Bildung als Schlüssel: Wie fehlende Chancen im Kindesalter das Leben prägen“, so der Titel des Vortrags von Dr. Daniela Fischer. Die Professorin für Rechnungswesen und Controlling an der HfWU präsentierte ernüchternde Fakten, wie sich gerade in Deutschland Bildungsungleichheit langfristig auf das Erwachsenenleben auswirkt. Fischer kennt aus eigener Erfahrung beide Perspektiven. Als Kind einer alleinerziehenden Mutter ohne Hochschulbildung und heute selbst als Mutter in einem Akademikerhaushalt. „Es ist ein fast erschreckender Automatismus, dass Akademikerkinder so überwiegend stark an die Hochschulen gehen“, so die Wissenschaftlerin. Der Bildungsungleichheit folge eine Einkommensungleichheit. Für die gleiche Tätigkeit erhalten Akademiker im Durchschnitt 17 Prozent mehr Geld. „Es ist das akademische Netzwerk und der akademische Habitus, die einen auf der Karriereleiter weiterbringen“, erklärt Fischer den „Class-Pay-Gap“. Frühe Bildungsgleichheit hat Auswirkung auf fast alle Lebensbereiche, so die Kernaussage des Vortrags.

Bildungsferne Personen haben weniger Zugang zu Gesundheitsleistungen, häufiger einen ungesunden Lebensstil, ein höheres Risiko für chronische Erkrankungen und eine geringe Lebenserwartung, wie die Referentin anhand von verschiedenen Studien zeigte. „Demokratie und Demokratiebildung – gemeinsam Verantwortung gestalten“ ist das Studium-generale an der HfWU in diesem Sommersemester überschrieben. Auch hier macht Bildung einen Unterschied. „Steigende soziale Ungleichheit führt zu geringerer Zustimmung zu gesellschaftlicher Vielfalt, was wiederum die Demokratie gefährdet“, so Fischer. Wie Umfragen zeigen, sind mit einem niedrigen Bildungsstand eine höhere Politikverdrossenheit und eine höhere Zustimmung für populistische und protestorientierte Parteien verbunden. Menschen mit geringer Bildung engagieren sich nur halb so oft wie Menschen mit Hochschulabschluss in Parteien, Bürgerinitiativen oder nehmen an Demonstrationen teil.

Was könnte man besser machen? Ein Vorschlag von Fischer: Kinder nicht schon nach der vierten Klasse mit Hauptschule, Realschule und Gymnasium auf getrennte Bildungswege schicken. „Eine längere gemeinsame Beschulung schafft einen Ausgleich für eine spätere persönliche Reifung, Heterogenität bietet vielfältige Chancen und nicht zuletzt werden Ressourcen besser genutzt“, ist Fischer überzeugt.