„Empathie gibt es nicht im Appstore“

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drei Portraitfotos

Die Referierenden beim „HfWU Zukunftsforum“: Holger Werner, Martin Korte und Yasemin Efiloğlu (v.l.). (Fotos©: Andreas Bender, Martin Korte, Max Bankau)

Großes Interesse am „HfWU Zukunftsforum“ zum Thema „Macht alles die KI?“

NÜRTINGEN (hfwu). Führung beginnt dort, wo ein Mensch Verantwortung übernimmt und Haltung zeigt. Künstliche Intelligenz sollte und kann dies nicht. An pointierten Aussagen wie dieser mangelte es nicht beim „HfWU Zukunftsforum“. Im Rahmen des Studium generale der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen (HfWU) sprachen Experten zum Thema „Macht alles die KI?“

Mehr als 150 Interessierte hatten sich online zum „HfWU Zukunftsforum“ zusammengefunden. Beantwortet wurde die Frage „Macht alles die KI?“ von zwei Experten und eine Expertin: In wie fern verändert KI wie Vorgesetzte führen, wie wir lernen, wie gesellschaftliches Zusammenleben funktioniert?

„KI kann helfen, als leistungsfähiger Assistent Entscheidungen besser vorzubereiten, sie macht diese selbst aber nicht notwendiger Weise besser“, sagt Holger Werner. Die eigentliche Versuchung sieht der Fachbuchautor und Fachhochschul-Geschäftsführer nicht in der Technik. „Die Versuchung liegt in unserer Bequemlichkeit und in der Folge darin, Verantwortung und Mitdenken abzugeben.“ Für Werner „beginnt Führung dort, wo ein Mensch Verantwortung übernimmt und eine Haltung einnimmt“.

Den zweiten Impulsvortrag im Rahmen der Studium-generale-Veranstaltung steuerte Martin Korte bei. Auch der renommierte Neurobiologe betont, wie wichtig selbständiges Denken ist – nicht zuletzt, um auch die Ergebnisse der KI beurteilen zu können. „Gute Gedächtnissysteme sind wichtig, um selbst die richtigen Fragen stellen zu können und den Output von KI einordnen zu können“, so der Lernforscher. Nach dem über Jahrzehnte der IQ der Menschen gestiegen sei, habe sich mit dem Beginn des Internets und der Nutzung von Suchmaschinen der IQ-Zuwachs verlangsamt. Studien zeigten, dass diejenigen, die mehr mit KI lernen, sich also weniger selbst aktiv und im Austausch mit Menschen einen Stoff aneignen, sich weniger merken können und weniger konzentriert arbeiten. Auch das selbständige und differenzierte Denken nehme ab – letztendlich mit gesellschaftlichen Folgen. Denn dies sei eine Grundvoraussetzung für eine funktionierende Demokratie.

Korte erteilte der Nutzung von KI keineswegs eine Absage. Es gehe um eine kluge Verbindung von menschlichen und Fähigkeiten der Technik. In diesem Sinn bedürfe es einer „Co-Intelligenz“. Der Kompetenz, KI richtig einsetzen und ihre Leistung beurteilen zu können. „Der Mensch muss das Epizentrum beim Lernen bleiben“, ist der Lern- und Gedächtnisforscher überzeugt. Beim Lernen sei menschliche Empathie essenziell, „und die gibt es nicht im Appstore zu kaufen.“

Als Dritte im Bunde der Impulsvorträge rief die KI-Expertin, Beraterin und politische Aktivistin Yasemin Efiloğlu dazu auf, bei der KI-Revolution bewusst eine aktive Rolle einzunehmen. Oft gehört, aber ein Trugschluss sei, dass Technologie „einfach passiere“ und man selbst wenig Gestaltungsmöglichkeiten habe. Aus ihrer eigenen Erfahrung habe sie gelernt, dass dies nicht zutreffe. KI betreffe die gesamte Gesellschaft und ermögliche in diesem Sinn auch die gestaltende Teilnahme von allen, nicht nur von Technik-Nerds. „Jeder und jede kann jetzt und heute loslegen, und KI ein bisschen besser machen“, so Efiloğlu.